Geschichte — Weimar 1918–1920: Dolchstoß, Kapp-Putsch und der Verrat der Armee

Geschichte — Weimar 1918–1920: Dolchstoß, Kapp-Putsch und der Verrat der Armee

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Diese Folge taucht tief in die ersten zwei Jahre der Weimarer Republik ein – eine Zeit, in der der neue demokratische Staat von Anfang an auf einem vergifteten Fundament stand.

Den Einstieg bildet ein Szenario, das wie ein Albtraum wirkt: Am 13. März 1920 marschieren 6.000 schwer bewaffnete Freikorps-Soldaten mit weißen Hakenkreuzen auf den Stahlhelmen durch das Brandenburger Tor. Die rechtmäßige Regierung flieht Hals über Kopf aus Berlin. Die eigene Armee schaut tatenlos zu.

Doch wie konnte es so weit kommen? Die Folge beginnt mit dem 19. Januar 1919: der Wahl zur Nationalversammlung, dem ersten demokratischen Urnengang Deutschlands mit Frauenwahlrecht. 83 Prozent der Wahlberechtigten gehen an die Urnen, bei Frauen sogar 90 Prozent. Die Weimarer Koalition aus SPD, Zentrum und DDP holt 76 Prozent – ein überwältigendes Mandat für die Demokratie.

Doch gleichzeitig arbeiten die alten Eliten systematisch an der Untergrabung des neuen Staates. Im Mittelpunkt steht die Dolchstoßlegende: Hindenburg und Ludendorff schieben die Niederlage im Ersten Weltkrieg auf Zivilisten, Sozialdemokraten und Revolutionäre – die sogenannten „Novemberverbrecher“. Eine psychologische Kriegslüge, die das politische Klima vergiftet und den Hass auf die Republik schürt.

Die Weimarer Verfassung von 1919 ist auf dem Papier eine der modernsten der Welt: Grundrechte, Volksentscheide, Acht-Stunden-Tag, Betriebsräte. Doch sie enthält fatale Schwachstellen. Artikel 48 erlaubt dem Reichspräsidenten, per Notverordnung ohne Parlament zu regieren und Grundrechte auszuhebeln. Artikel 25 erlaubt die Auflösung des Reichstags, Artikel 53 die eigenmächtige Ernennung des Kanzlers. Die Verfassungsväter bauten dem „Ersatzkaiser“ eine Hintertür ein – aus Angst vor parlamentarischer Zersplitterung.

Der Kapp-Lüttwitz-Putsch im März 1920 wird zum ersten großen Crashtest. General von Lüttwitz weigert sich, die Marinebrigade Erhard aufzulösen. Zusammen mit dem Nationalpolitiker Wolfgang Kapp und dem alten Strippenzieher Ludendorff besetzen seine Truppen Berlin. Kapp erklärt sich selbst zum Reichskanzler.

Das entscheidende Versagen: General Hans von Seeckt verweigert der demokratischen Regierung militärische Hilfe mit dem Satz „Truppe schießt nicht auf Truppe.“ Die Reichswehr erklärt sich in der Stunde der höchsten Not für neutral – ein Staatsstreich gegen den eigenen Staat.

Die Rettung kommt von unten: Zwölf Millionen Menschen legen in einem Generalstreik die Arbeit nieder – der größte in der deutschen Geschichte. Kein Wasser, kein Gas, kein Strom, keine Straßenbahnen, keine Druckpressen. Der Putsch kollabiert innerhalb von vier Tagen. Kapp flieht nach Schweden.

Aber der Preis ist hoch: Bei den Reichstagswahlen im Juni 1920 verliert die Weimarer Koalition ihre Mehrheit – und gewinnt sie in den folgenden 14 Jahren nie zurück. Die Risse im Fundament sind von diesem Moment an nicht mehr zu kitten.

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Justiz: Während linke Aufstände brutal verfolgt werden, kommen die rechten Putschisten nahezu ungestraft davon. Die monarchistisch geprägten Richter behandeln Kaps Innenminister mit „Samthandschuhen“ – volle Pensionsansprüche inklusive. Ludendorff bleibt unverurteilt. Drei Jahre später lobt dieselbe Justiz Adolf Hitler für seinen „rein vaterländischen Geist.“

Die zentrale Erkenntnis: Eine Demokratie kann nur so stark sein wie die Institutionen, die sie tragen. Die Weimarer Republik hatte eine brillante Verfassung und eine Bevölkerung, die bereit war, sie im Generalstreik zu verteidigen – aber Armee und Justiz waren nie in der Republik angekommen.