Schiller-Begleitung — Folge 2. Eine kurze Hintergrundfolge für Gymnasiasten, die Schillers Die Räuber lesen. Kein Spoiler zum Stück.
Die Sprache in Die Räuber — die Ausrufe, das Pathos, die großen Gefühle — kann beim Lesen schnell albern wirken. Diese Folge erklärt, warum das Programm ist und kein Kitsch. Wir schauen auf die literarische Bewegung, in der das Stück steht: den Sturm und Drang (etwa 1765–1785). Eine Generation junger Schriftsteller unter dreißig — Goethe, Klinger, Lenz, Wagner, Herder — bricht in den 1770er Jahren mit den Regeln der Aufklärung, mit dem französischen Hoftheater, mit den drei Einheiten des Aristoteles. Goethes Götz von Berlichingen hat 59 Szenen. Die Leiden des jungen Werthers löst eine europaweite Suizidwelle aus (daher kommt heute noch der Begriff Werther-Effekt in der Suizidforschung). Klingers Drama gibt der ganzen Bewegung den Namen — eigentlich sollte es Wirrwarr heißen. Schillers Die Räuber von 1781 sind dann Höhepunkt und Endpunkt zugleich. Wer das Pathos verstehen will, muss begreifen, dass Sturm und Drang sich zur Aufklärung verhält wie Punk zum Schlager — eine neue Generation wählt bewusst eine Sprache, die den Älteren übertrieben vorkommt. Das ist nicht naiv. Das ist die Aussage.
Du hörst über:
Sprache: Deutsch. Niveau B2. Länge: ~5 Minuten.
Folge 1 der Reihe (Schillers Punk-Moment 1782) findest du im selben Feed.