Krieg, Charta, Schulbücher: Palästinensische Realität in Zahlen

Krieg, Charta, Schulbücher: Palästinensische Realität in Zahlen

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Was denken Palästinenser in Westjordanland und Gazastreifen wirklich über Israel, die Hamas, das Massaker vom 7. Oktober 2023 und eine mögliche Zwei-Staaten-Lösung? Diese Folge versucht, ohne Parteinahme einen nüchternen Blick auf die Datenlage zu werfen.

Grundlage sind aktuelle Erhebungen des palästinensischen Forschungsinstituts PCPSR von Khalil Shikaki aus 2024 und 2025, die jüngsten Umfragen des Washington Institute zur jungen Generation, der ADL Global 100 Index zu antisemitischen Einstellungen weltweit, der Pew-Bericht zur Lage im Westjordanland sowie der Bericht von IMPACT-se zum offiziellen palästinensischen Schulcurriculum 2025/2026.

Die Folge zeichnet ein widersprüchliches Bild. Auf der einen Seite stehen pragmatische Alltagswünsche: rund die Hälfte der unter 30-Jährigen nennt interne Reformen, Wahlen und Korruptionsbekämpfung als Priorität. 85 Prozent der Menschen im Westjordanland fühlen sich unsicher, der Glaube an einen militärischen Sieg der Hamas ist auf rund 40 Prozent (West Bank) bzw. 27 Prozent (Gaza) eingebrochen, über 80 Prozent fordern den Rücktritt von Mahmoud Abbas.

Auf der anderen Seite verhärten sich die Positionen, sobald es um das politische Endziel geht. Die Zustimmung zur Zwei-Staaten-Lösung liegt bei den Jungen nur noch bei 34 Prozent (Westjordanland) und 38 Prozent (Gaza). Knapp 70 Prozent insgesamt und 85 Prozent im Westjordanland lehnen eine Entwaffnung der Hamas ab — selbst wenn das den Krieg sofort beenden würde.

Um diesen Widerspruch zu verstehen, geht die Folge zwei Ebenen tiefer. Erstens das ideologische Fundament: Die Hamas-Charta von 1988 erklärt das gesamte Mandatsgebiet zum islamischen Waqf — einer religiösen Stiftung, die theoretisch Gott gehört und damit unverhandelbar ist. Artikel 15 macht den bewaffneten Kampf zur individuellen religiösen Pflicht jedes Muslims. Artikel 32 verweist explizit auf die antisemitische Fälschung “Protokolle der Weisen von Zion”.

Zweitens das Bildungssystem als Übertragungsriemen: Der IMPACT-se-Report dokumentiert für das Schuljahr 2025/2026, dass Israel auf Karten ausgelöscht wird, dass Newtonsche Mechanik anhand einer Steinschleuder gegen Soldaten erklärt wird, dass Infinitesimalrechnung mit Märtyrer-Zahlen als Variablen geübt wird, dass die Attentäterin Dalal al-Mughrabi (38 ermordete Zivilisten 1978) als Heldin präsentiert wird. Trotz EU-Druck und eingefrorenen Geldern in dreistelliger Millionenhöhe haben sich die Inhalte nicht verändert — der Bericht spricht von einem “Kreislauf rhetorischer Reformen”.

Die Folge ordnet das in den globalen Antisemitismus-Trend ein (ADL: 46 Prozent der Weltbevölkerung mit antisemitischen Einstellungen, eine Verdoppelung in zehn Jahren) und diskutiert die methodischen Grenzen aller Umfragen unter Krieg und Repression. Sie endet mit einem Befund: Solange das Fundament aus Charta-Ideologie und staatlichem Bildungssystem nicht angetastet wird, bleibt die nächste Krise programmiert — unabhängig davon, was an Verhandlungstischen passiert.

Quellen: PCPSR Polls 93 und 96, ADL Global 100, IMPACT-se Curriculum Review 2025/2026, Hamas-Charta 1988 (Yale Avalon), Pew Research, The Washington Institute.