Libanon: Jenga-Turm der Konfessionen, Milizen und Mächte

Libanon: Jenga-Turm der Konfessionen, Milizen und Mächte

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Wie kann ein Staat, der als „Schweiz des Orients“ galt, so komplett zerbrechen? Diese Folge zerlegt den libanesischen Bürgerkrieg (1975–1990) und zeigt, warum sein eigentliches Vorspiel 1943 beginnt – und sein Nachspiel bis in die Gegenwart reicht. Wir nehmen den Libanon auseinander wie einen Jenga-Turm: jeder Baustein eine Konfession, eine Miliz, eine fremde Macht.

Am Anfang steht der Nationalpakt von 1943. Ein ungeschriebenes Abkommen verteilt die Macht nach Religion: Präsident maronitischer Christ, Premierminister sunnitischer Muslim, Parlamentspräsident Schiit. Basis ist eine Volkszählung von 1932 – und es ist bis heute die einzige geblieben. Wir erklären, warum der scheinbar kluge Minderheitenschutz von Anfang an eine Klientelwirtschaft produzierte und jede demografische Verschiebung – vor allem der Aufstieg der Schiiten – im System blockiert wurde.

Dann der Bruch: 1970 fliehen PLO-Kämpfer nach dem „Schwarzen September“ in den Libanon. Der Staat ist zu schwach, die Grenzen zu halten. 1975 explodiert die Lage. Wir zeigen, wie sich die Milizen entlang konfessioneller Linien formierten – Phalange/Kata’ib bei den Maroniten, die Libanesische Nationalbewegung auf der linken Seite, Amal bei den Schiiten – und wie der Staat sich in lokale „Kantone“ auflöste, in denen Warlords die Müllabfuhr organisierten und Schutzgelder erpressten.

Ein Kernkapitel ist die regionale Einmischung: Syrien marschiert 1976 ein, zunächst auf Seiten der Christen, später gegen sie. Israel interveniert 1978 (Operation Litani) und 1982 großflächig – mit der Belagerung Beiruts, dem PLO-Abzug und den Massakern in Sabra und Schatila. Wir ordnen ein, wie aus der israelischen Besatzung ab 1982 die Hisbollah hervorging, von Iran bewaffnet und ausgebildet, und warum sie bis heute das Machtvakuum füllt, das die vertriebene PLO hinterließ.

Der Bürgerkrieg endet 1989 mit dem Taif-Abkommen – aber das Konfessionssystem bleibt. Nur die Quote verschiebt sich von 6:5 auf Parität. Syrien wird zum Schiedsrichter, regiert den Libanon bis 2005 als faktisches Protektorat. Hariri baut Luxushotels, die Hisbollah rüstet weiter. Dann die Ermordung Hariris, die Zedernrevolution, der syrische Abzug – und das Land fällt in die alte Spaltung zurück.

Der letzte Teil zieht die Linie in die Gegenwart: das staatliche Ponzi-Schema der Zentralbank, der Finanzkollaps 2019 mit 95 % Währungsverfall, die Hafenexplosion 2020 mit über 200 Toten und null Aufklärung, bis zur Hisbollah-Israel-Eskalation 2024 mit den Pager-Anschlägen und dem Tod Nasrallahs. Die These der Folge: Der Libanon ist nicht die Ausnahme im Nahen Osten. Er ist die Vorschau darauf, was passiert, wenn Identität und Klientelismus den Nationalstaat ersetzen.

Quellen: bpb-Dossier, Wikipedia, AG Friedensforschung, MERIP Primer, GIGA Hamburg (Stephan Rosiny), Carnegie Endowment zum Taif-Abkommen sowie die Deutschlandfunk-Nova-Dokumentation. Eine ungeschönte Tiefenanalyse für alle, die verstehen wollen, warum der Libanon heute da steht, wo er steht.

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