Konferenz von San Remo 1920: Wie der Nahe Osten neu gezeichnet wurde

Konferenz von San Remo 1920: Wie der Nahe Osten neu gezeichnet wurde

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Im April 1920 trafen sich die Regierungschefs Großbritanniens, Frankreichs und Italiens an der italienischen Riviera in der Villa Devachan, um die Konkursmasse des besiegten Osmanischen Reichs unter sich aufzuteilen. Was aussah wie ein Postkartenmotiv, war diplomatisch eisig: Drei sich widersprechende Versprechen aus dem Krieg standen unauflösbar im Raum.

Die Folge zeichnet diese drei Versprechen nach. Erstens die Hussein-McMahon-Korrespondenz von 1915/16, mit der die Briten den Arabern für eine Revolte gegen die Osmanen einen großen unabhängigen Staat zusagten. Zweitens das Sykes-Picot-Geheimabkommen von 1916, in dem britische und französische Diplomaten dieselben Gebiete still und heimlich in Einflusszonen aufteilten. Drittens die Balfour-Deklaration von 1917, die den Aufbau einer „nationalen Heimstätte für das jüdische Volk“ in Palästina in Aussicht stellte — auch sie aus militärisch-strategischen Erwägungen, nicht aus reiner Sympathie.

In Sanremo musste dieser Schlamassel in völkerrechtlich tragfähige Form gebracht werden. Den Hebel dafür lieferte das neu erfundene Mandatssystem des Völkerbunds nach Artikel 22. Über diesen Mechanismus wurde am 25. April 1920 die Balfour-Deklaration wortwörtlich in eine internationale Resolution überführt — der Moment, in dem aus einem privaten britischen Brief bindendes Völkerrecht wurde. Großbritannien wurde Mandatsmacht für Palästina und Mesopotamien, Frankreich für Syrien und Libanon.

Die Folge erläutert, warum die UN-Resolution von 1947 entgegen der landläufigen Erzählung nicht das eigentliche völkerrechtliche Fundament für den Staat Israel ist — sondern Sanremo. Sie zeigt zugleich den Blindenfleck der Konferenz: die ignorierte Unabhängigkeitserklärung des pansyrischen Kongresses in Damaskus, die Krönung Faisals zum König und die brutale Zerschlagung dieses arabischen Königreichs durch französische Truppen in der Schlacht von Maysalun im Juli 1920.

Ein eigener Abschnitt beleuchtet das San Remo Oil Agreement: Wie die Briten den Franzosen 25 Prozent der Mosul-Erdölförderung zusicherten, um den syrischen Korridor für Pipelines nutzen zu können — und warum knallharte Ölinteressen schwerer wogen als Unabhängigkeitsversprechen. Anschließend wird Churchills Federstrich von 1921 nachgezeichnet: Wie er auf der Kairo-Konferenz über Artikel 25 des Mandatstextes 78 Prozent des ursprünglichen Palästinamandats abtrennte und Abdallah als Emir des neuen Transjordanien einsetzte — als politisches Trostpflaster nach dem französischen Putsch gegen seinen Bruder.

Am Ende steht eine bittere völkerrechtliche Pointe: Wer die Beschlüsse von Sanremo für illegitim erklärt, sägt zugleich am juristischen Geburtszertifikat von Syrien, Libanon, Irak und Jordanien. Alle modernen Staaten der Region tragen denselben Stempel desselben Tages.

Quellen: Wikipedia (DE/EN, einschließlich Volltext der San-Remo-Resolution), Encyclopedia Britannica, Deutschlandfunk, WeltTrends-Aufsatz von Angelika Timm, Jewish Virtual Library, Audiatur-Online.

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