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Juden und Muslime in Palästina 1517–1948 — Frieden, Pogrom, Bruch

Juden und Muslime in Palästina 1517–1948 — Frieden, Pogrom, Bruch

May 3, 2026 • 17min 41s

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Frühling 1899 in Jerusalem: Während des Nabi-Musa-Festes ziehen muslimische Pilger mit Trommeln durch die Gassen — und jüdische Bewohner besprengen sie zur Begrüßung mit Rosenwasser. Frühling 1920, selbes Fest, selbe Stadt: Der Zug eskaliert in einen Pogrom, Synagogen brennen, Menschen werden auf offener Straße ermordet. Wie konnte aus geteilter Nachbarschaft so schnell tödliche Feindschaft werden?

Dieser Deep-Dive arbeitet sich durch vier Jahrhunderte jüdisch-muslimischen Zusammenlebens in Palästina — von der osmanischen Eroberung 1517 bis zum Ende des britischen Mandats 1948. Die Folge stellt bewusst zwei gegensätzliche historiografische Schulen nebeneinander: die Lewis-/Bensoussan-Linie, die das Dhimmi-System als strukturelle Demütigung und Pogrome als wiederkehrendes Muster sieht, und die Cohen-/Halabi-Linie, die jahrhundertelange Koexistenz, intermarriage und gemeinsame Festkultur betont.

Im Zentrum stehen die rechtlichen und sozialen Strukturen des Dhimmi-Status mit ihren konkreten Erscheinungsformen: gelbe Turbane als Pflichtkleidung, Glocken in öffentlichen Badehäusern, zerrissene Handtücher als alltägliche Demütigung — ein Frieden, der auf rechtlich festgeschriebener Unterordnung basierte. Demgegenüber die Cairo-Geniza mit ihren 300.000 Dokumenten, die das jüdisch-muslimische Alltagsleben des Mittelalters „in Technicolor“ zeigen: Geschäftsverträge, Heiratsurkunden, Gerichtsakten, in denen Händler beider Religionen selbstverständlich kooperieren.

Die Folge zeichnet die strukturellen Brüche nach: Die Tanzimat-Reformen 1839 schaffen den Dhimmi-Status formal ab und schaffen damit paradox die ersten Spannungen — überraschenderweise oft befeuert von Rabbinern und Priestern, die ihren Einfluss schwinden sehen. Der Pogrom von Safed 1834 als erster großer Backlash gegen die Modernisierung. Die britische Mandatsmacht ab 1917 importiert das koloniale „Teile-und-Herrsche“-Schema aus Indien und kategorisiert die Bevölkerung erstmals offiziell nach Religion. Die Balfour-Deklaration definiert die arabische 90-Prozent-Mehrheit nur noch negativ als „nicht-jüdische Gemeinschaften“ mit zivilen, aber ohne politische Rechte.

Mit Großmufti Amin al-Husseini, von den Briten selbst eingesetzt, beginnt die bewusste Islamisierung des Konflikts: aus territorialem Streit wird existenzieller Glaubenskrieg. Die Folge endet bei den Massakern von Hebron 1929 (76 Tote), Deir Yassin 1948 und dem Hadassah-Konvoi — und bei der Geschichte des palästinensischen Christen Khalil Sakakini, der einen jüdischen Flüchtling versteckt und in sein Tagebuch schreibt: „Wenn ich ihn ausliefere, bin ich ein Verräter an meiner Menschlichkeit.“

Quellen: Awad Halabi (Wright State University), Mark R. Cohen (Princeton, „Under Crescent and Cross“), Georges Bensoussan (Fondapol-Studie zu Pogromen 1830–1948), Louis Fishman, Bensoussans Recherche zur Radio-Zeesen-Propaganda. Eine Folge für Hörer mit Vorwissen, die genau die historiografische Spannung zwischen den Schulen verstehen wollen — nicht nur die Ereignisliste.

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17:41 Juden und Muslime in Palästina 1517–1948 — Frieden, Pogrom, Bruch
May 3, 2026
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