Am 8. und 9. November 1923 versuchten Adolf Hitler und der Weltkriegsgeneral Erich Ludendorff, von München aus die Weimarer Republik zu stürzen. Was als bewaffneter Umsturz geplant war, endete innerhalb weniger Stunden als dilettantisches Desaster — und wurde dennoch zum Wendepunkt der deutschen Geschichte.
Diese Episode taucht tief ein in das Krisenjahr 1923: die Ruhrbesetzung durch französische Truppen, der passive Widerstand, die Hyperinflation, die das Geld über Nacht wertlos machte, und das politische Chaos, in dem Kommunisten und Rechtsradikale gleichermaßen die Republik bedrohten. Bayern positionierte sich als konservativ-nationalistischer Gegenstaat unter dem Generalstaatskommissar Gustav von Kahr, der selbst eine nationale Diktatur anstrebte.
Hitler, getrieben von der Angst, von Kahrs eigenem Putschplan überholt zu werden, stürmte am Abend des 8. November mit bewaffneten SA-Trupps den Bürgerbräukeller in München. Er erpresste das sogenannte Triumvirat — Kahr, Reichswehrgeneral von Lossow und Polizeichef von Seißer — mit vorgehaltener Pistole zur Unterstützung seines „Marsches auf Berlin“ nach dem Vorbild Mussolinis. Doch die erzwungene Allianz hielt keine Nacht: Sobald Kahr und seine Verbündeten den Keller verließen, widerriefen sie ihre Zusagen.
Der Marsch am nächsten Tag, angeführt von Ludendorff und Hitler, endete im Kugelhagel an der Feldherrnhalle. 16 Putschisten, 4 Polizisten und ein unbeteiligter Zivilist starben. Hitler floh, wurde Tage später verhaftet. Das militärische Scheitern war total.
Doch die wahre Katastrophe für die Demokratie spielte sich im Gerichtssaal ab. Der Hochverratsprozess im Frühjahr 1924 vor einem sympathisierenden Richter wurde zur Bühne für Hitlers Selbstinszenierung. Statt als Angeklagter trat er als Ankläger der Republik auf. Die bayerische Justiz — auf dem rechten Auge blind — verurteilte ihn zu lächerlichen fünf Jahren Festungshaft, von denen er nur neun Monate absaß. In Landsberg schrieb er „Mein Kampf“.
Die Episode analysiert auch die spätere Mythologisierung des Putsches durch das NS-Regime: die Verklärung der Toten zu „Blutzeugen“, den Blutorden, die jährlichen Aufmärsche und die Ehrentempel am Königsplatz. Ein gescheiterter Putsch wurde zur pseudoreligiösen Gründungslegende umgeschrieben — ein Paradebeispiel dafür, wie totalitäre Propaganda Geschichte umdeuten kann.
Besonders für Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse bietet diese Folge eine kompakte, verständliche Aufarbeitung mit kritischer Einordnung: Warum versagten die demokratischen Institutionen? Wie konnte die Justiz Extremisten hofieren? Und welche Lehren lassen sich daraus für den Schutz demokratischer Systeme ziehen?
Der 9. November ist Deutschlands Schicksalstag — 1918 die Ausrufung der Republik, 1923 der Putsch, 1938 die Reichspogromnacht, 1989 der Mauerfall. Diese Folge hilft zu verstehen, warum dieses Datum so aufgeladen ist und wie politische Bewegungen Kalenderdaten für ihre Narrative instrumentalisieren.