Bürgerkrieg im Bürgerkrieg: Spaniens Linke zerstört sich selbst

Bürgerkrieg im Bürgerkrieg: Spaniens Linke zerstört sich selbst

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Der Spanische Bürgerkrieg 1936–1939 wird in Schulbüchern oft auf eine Faustformel reduziert: Demokratie gegen Faschismus, Vorspiel zum Zweiten Weltkrieg. Diese Episode erzählt ihn anders — als eigenständige Tragödie der Linken, in der sich Anarchisten, POUM, Stalinisten und republikanische Volksfront gegenseitig zerfleischten, bevor Franco den Rest übernahm.

Wir beginnen im Spanien der 1930er Jahre, einem Land der absurden Kontraste: feudale Strukturen mit Großgrundbesitzern und einer übermächtigen Kirche im Süden, hochindustrialisierte Zentren wie Barcelona im Norden, in denen die anarchosyndikalistische CNT den Staat selbst abschaffen wollte. Dazu der baskisch-katalanische Autonomiekonflikt mit dem kastilischen Zentralismus.

Im Februar 1936 gewinnt die Volksfront die Wahl. Für die alten Eliten und die “Afrikanisten” um Mola und Franco — Offiziere, geprägt von brutalen Kolonialkriegen in Marokko — wird das zum Auslöser. Sie planen einen schnellen Putsch, der zu einem dreijährigen Stellungskrieg ausartet, weil Millionen Arbeiter sich selbst bewaffnen.

Hitler liefert mit dem “Unternehmen Feuerzauber” die erste militärische Luftbrücke der Geschichte und fliegt Francos marokkanische Söldner über die republikanische Marineblockade. Die Legion Condor testet Flächenbombardements und den Stuka — Guernica wird zum Labor des Zweiten Weltkriegs. Deutsche U-Boote operieren im “Unternehmen Ursula” unter falscher Flagge.

Frankreich und Großbritannien verhängen ein Embargo gegen die legitime spanische Regierung. Appeasement-Politik und panische Angst der konservativen Eliten vor brennenden Kirchen und kollektivierten Fabriken machen die Demokratien zu stillen Komplizen.

Damit bleibt der Republik nur Stalin. Die Sowjetunion liefert Waffen — gegen Goldreserven der spanischen Zentralbank und gegen die politische Kontrolle. Mit den Lieferungen kommen NKWD-Agenten unter Alexander Orlov ins Land. Ihr Auftrag: die soziale Revolution stoppen, die bürgerliche Ordnung erhalten, damit Stalin seine Bündnisoption mit Frankreich und Großbritannien gegen Hitler nicht gefährdet.

Im Mai 1937 explodieren die inneren Spannungen in Barcelona. Anarchisten und POUM auf der einen, moskautreue Kommunisten und republikanische Polizei auf der anderen Seite. Hunderte Tote im “Bürgerkrieg im Bürgerkrieg”. Danach orchestriert das NKWD die Vernichtung der POUM mit einem importierten Schauprozess: Andreu Nin wird verschleppt und gefoltert, ein gefälschter Stadtplan mit unsichtbarer Tinte soll ihn als Franco-Agenten überführen. Nin gesteht nicht. Spanische Richter — anders als sowjetische — weigern sich, die plumpen Fälschungen anzuerkennen. Der Schauprozess kollabiert. Nin ist trotzdem tot, die POUM zerschlagen, die revolutionäre Dynamik gebrochen.

Eine moralisch zerrissene Republik kann den Krieg gegen Francos hochgerüstete Maschinerie nicht mehr gewinnen. Im März 1939 stürzt Oberst Casado mit einem absurden letzten Putsch die eigene Regierung in Madrid. Franco akzeptiert keine Bedingungen, fordert bedingungslose Unterwerfung. Über die vereisten Pyrenäen flüchten fast 500.000 Menschen.

Die Bilanz: 7.000 ermordete Geistliche im “Roten Terror” der ersten Monate, ein systematischer “Weißer Terror” mit 130.000 bis über 200.000 Opfern, der nach 1939 jahrelang weiterläuft. Die Diktatur dauert bis 1975. Anschließend erkauft sich Spanien die Demokratie mit dem “Pacto del Olvido”, dem Pakt des Vergessens — ein Amnestiegesetz, das beide Seiten von der Justiz freistellt.

Und im Hintergrund: DuPont, ITT, die IG Farben. Konzerne, die Treibstoff und Technologie an Franco lieferten und nach Geländegewinnen Sonderprämien zahlten. Eine Erinnerung daran, dass Profit ideologische Schlagzeilen oft überdauert.

Quellen: ARTE-Doku zum Spanischen Bürgerkrieg, Reiner Tossdorff zur POUM-Verfolgung, Wikipedia, Friedrich-Ebert-Stiftung und Rosa-Luxemburg-Stiftung zur Erinnerungskultur.

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